LESE- UND HÖRPROBEN
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August 2021
Aus dem Roman «Splitter»

 

Eine andere Erinnerung – wie das Auftragen einer kühlenden Salbe auf eine pulsierende, spannende Wunde: Kurt und Hans in der zweithintersten Reihe am Plappern und Kichern. Blinddarm und Dünnpfiff nannte man die beiden; Kurt wäre beinahe an einem geplatzten Blinddarm gestorben (der Bauchraum sei bereits mit Eiter gefüllt gewesen) und Hans, der Dünnpfiff, war bekannt für seine regelmässigen wässrigen Entladungen, die das Knabenklo olfaktorisch schwer belasteten und in der Pause zu zahlreichen Hänseleien führten. Dass der jüngere Bruder von Hans kleiner Dünnpfiff hiess, entbehrte zwar der wörtlichen Logik – immerhin schien er zumindest während der Schulzeiten ein Normal-Scheisser zu sein; man hatte genau hingehört, wenn er auf dem Klo war – und war doch die folgerichtige Konsequenz dieses verwandtschaftlichen Gebildes.

Also: Blinddarm und Dünnpfiff kicherten und tuschelten, und der Herr Lehrer Sommer (ein düsteres Gemüt mit einem ganzjährig geröteten Zinken im Gesicht) warf den beiden böse Blicke zu, die an der Unbekümmertheit vermeintlich Schwererziehbarer zerschellten. Da ging der Herr Lehrer hin und zog Dickdarm und Dünnpfiff je über beide Hände mit dem Lineal eine Tatze.

»Das hat man schon im antiken Rom gemacht«, dozierte er in wüstem Dialekt.

Und der Dünnpfiff: »Wir sind aber nicht im antiken Rom.«

Ernst durchlief ein Frösteln und zugleich unbändige Freude, während er mit schreckensstarren Augen den Herr Lehrer Sommer taxierte. Nein, im antiken Rom war man tatsächlich nicht, da hatte der Dünnpfiff recht. Und Mut! Wahrscheinlich wurde man so mutig, wenn man einen jähzornigen Vater hatte; irgendwann war mal wohl abgebrüht.

Der Herr Lehrer drehte sich wieder zu den beiden Knaben um, und Elsbethli begann zu weinen.

»Jetzt weisst du, was es geschlagen hat«, sagte der Herr Lehrer und verpasste dem Dünnpfiff eine derart heftige Ohrfeige, dass dieser vom Stuhl flog.

Nun muss man aber wissen, dass der Dünnpfiff ein gar zartes Büblein war – man konnte sich nicht vorstellen, woher jeweils die ganze Scheisse kam und munkelte, der Dünnpfiff hätte gar keine Organe und bestünde innwendig abgesehen vom Darm ausschliesslich aus Kot –, so dass bei diesem sehr unglücklichen Sturz eines der dürren Ärmchen brach. Diesen Armbruch erkannte man nicht sofort; man erahnte ihn erst am Abend im Turnunterricht, als der Herr Lehrer Meyer (ein Meyer mit Y-Allüren) den Dünnpfiff zum Felgaufzug zwingen wollte, und der Dünnpfiff zuerst gar nicht mehr aufhören konnte zu schreien und dann in Ohnmacht fiel.

Ernst war tief beeindruckt und befreundete sich mit dem Dünnpfiff, der ein ganz netter Junge war und eine freundliche Mutter hatte, die gut backen konnte.

Im Übrigen zeigte sich seither auch das Elsbethli dem Dünnpfiff zugewandt, und so hatte der Vorfall doch auch sein Gutes (zumindest bis Ende Schuljahr, danach war das Elsbethli wohl abgeschreckt von Dünnpfiffs tiefen Noten –schliesslich: Den Fleissigen gehört die Welt, nicht den Pfiffigen).

Oktober 2020
Aus dem Roman «Splitter»

 

Das Ehepaar hat ihn begrüsst, als würde es ihn kennen. Der Mann gross und hager; man sieht ihm den Langweiler schon von weither an, die Frau klein und hager; ein Kapuzineräffchen; es tötelt in ihrem Gesichtchen. Die beiden werden ihn verwechselt haben; er hat ja durchaus ein Allerweltsgesicht und in seiner Generation heissen viele Leute Ernst.

Hätte er sich dennoch in das Gespräch schicken sollen? Aber es ist ihm unangenehm, mit Fremden zu sprechen; er will den Spaziergang fortsetzen, dafür ist er ja schliesslich aus dem Haus getreten.

In letzter Zeit traut er sich selbst nicht ganz (kennt er die beiden doch?); es fällt ihm auf, dass er manches verwechselt – vieles ist sich schlichtweg zu ähnlich –, und ab und zu schleichen sich Wörter aus dem Gedächtnis, nur um Minuten später wieder keck an die Vordertür zu klopfen. Die Welt kippt dann. (Können Seen kippen? Er glaubt, so etwas gelesen zu haben.) Sein Gesichtsfeld verengt sich dadurch wie beim Grünen Star, jedoch nicht das äussere Sichtfeld; es handelt sich um eine innere Erfahrung. Ernst nimmt die Verengung mitunter wahr, die Verarmung, die mit einem gleichzeitigen Aufquellen in Kuriositäten einhergeht. Etwas Nebulöses ist seiner Welt eigen geworden; zum ersten Mal wird ihm bewusst, mit wie viel Sinnlosigkeit der Mensch tagtäglich konfrontiert wird, nicht zuletzt in der Interaktion mit seinesgleichen. Eine Anstrengung ist es, mitzugehen und so zu tun, als sei man ein gewiefter Weltensegler.

Dann wieder kommen Tage, an denen alles ganz unbeschwert und gut läuft: Da liegt der Park, dort spazieren die Wältis, hier sind die Topflappen verstaut. Das Buch (»Das denkelnde Schilfrohr« von Henri Roorda) liest sich flüssig (zumindest während der ersten zwanzig Minuten, dann beginnen die Augen zu brennen). Alles logisch und glasklar; wäre das Sein eine Prüfung, würde er mit Bravour bestehen.

Ein kleiner Schreck hat sein Nervensystem zumindest temporär erlitten, als er das Notizbuch gefunden hat. Für Sekunden hat er geglaubt, er kämpfe schon länger mit Aussetzern; er hat Vorfälle festgehalten, die an eine ernstliche Erkrankung denken lassen oder an grosse Müdigkeit – er hat schlecht geschlafen in den letzten Wochen, ist eingeklemmt in der Beziehung zu Hanne, und der Kontakt mit Beatrice ist eingegangen wie ein Wollpullover im Tumbler (durchaus noch als Beziehung erkennbar, doch signifikant geschrumpft und wenig tragbar). Dann fällt ihm das Experiment ein, da steht sogar »24.01.: Hanne hat Habichtblick«. Die Virtuosität seiner Formulierungen macht ihn stolz (Alliterationen hat er schon als junger Mann geliebt; wenn er damals jenes Buch geschrieben hätte, hätten sie Eingang in den Text gefunden), seine Handschrift hingegen scheint ihm erstaunlich ungelenk und krakelig; so hat er seine Schrift nicht in Erinnerung.

Etwas schmerzt ihn furchtbar, als hätte er einen schlimmen Schicksalsschlag erlitten, einen Verlust; ein glühendes Eisen brennt sich durch die Eingeweide, aber er kann nicht nachvollziehen, woher das Gefühl stammt. Spaziergänge trösten ihn, auch solche im eigenen Haus: Gehen, um des Gehens Willen. Im Gehen liegt eine Kraft, die der Ruhende nicht nachvollziehen kann.

April 2020
Aus dem Roman «Splitter»

 

Er blickt aus dem Fenster und erinnert sich nicht. Manchmal muss er an den Tod denken, doch meist tabuisieren die mentalen Sturzbäche den stillen Gast. Hanne steht im Türrahmen; er glaubt, ihren Blick an seinem Hinterkopf fühlen zu können und dadurch zu einer erhöhten Sehfähigkeit bemächtigt zu werden. Als würden sich ihre Blicke kumulieren; ihr Sehen durch seine Augäpfel bis in die Welt hinein. Dort drüben am Hang ein gelbes Feld (ein Wort, fast wie Schnaps); von hier alles ganz klein; es sieht aus, als würde gelber Blütenstaub auf dem grünen Filz der Hügel kleben.

»Du hast also eine Tochter«, sagt Hanne, und er denkt: Nur die Wurst hat zwei.

»Es scheint so«, sagt er.

»Ich will, dass du mich anschaust.«

Wie soll er das tun, wenn doch das Feld konstant betrachtet werden will in seinem fellhaften Gelb? Er reisst sich vom Anblick los und dreht sich um.

»Hast du das gewusst?«, fragt sie.

»Nein«, erwidert er und spürt den Stich der Lüge. Er hat es gewusst, zumindest fast. Da sind Erinnerungen, aber wenn er sich ihnen zuwendet, entziehen sie sich. Sie fliehen aus der Reichweite seiner Bewusstheit, und er greift ins Leere. Wenn er so tut, als würde er die Erinnerungen nicht packen wollen, kriechen sie aus den Schatten und beglotzen ihn frech, und er, dazu verdammt, sie aus den Augenwinkeln zu betrachten, wagt nicht mehr, den Kopf zu drehen. Manchmal lässt ihn das verzweifeln, dann wieder findet er zu einer ungekräuselten Resignation.

»Was bedeutet das für uns?«, fragt Hanne.

»Nichts.«

Was soll es schon bedeuten. Das ist keine Krebsdiagnose; jetzt ist er halt auch noch Vater, so, wie er schon Sohn, Bruder, Ehemann ist.

Er muss an die anderen Erinnerungen denken; jene, die nicht in den Schatten verschwinden; er als Bub, und Sophia.

»Sie hat mir ihre Nummer dagelassen. Sie will, dass ich sie anrufe.«

»Das will sie?«, fragt er. Kurzzeitig hat er den Faden verloren; das Gespräch hat sich ausgedünnt, ist in die Länge gewachsen, dabei aber zweidimensional geblieben.

»Ja.«

»Warum?«

»Weil wir uns Sorgen machen. Um dich. Etwas stimmt nicht mit dir.«

»Das war doch nur ein Scherz«, sagt er. Die leisen Rufe des Gelbes dringen an sein Ohr.

»Das glauben wir nicht.«

Aha, wir. Die Frauen. Sie fliehen nie aus der Reichweite seiner Bewusstheit, aber auch hier greift er ins Leere.

»Ich will nicht, dass du mit ihr sprichst«, sagt er.

»Warum nicht?«

Das weiss er selbst nicht. Es gibt vielleicht Kreise, die haben sich nicht zu überschneiden; Menschen, die dürfen sich nicht verbinden. Es hat mit goldenen Rändern zu tun.

Er zuckt mit den Achseln. »Tut, was ihr nicht lassen könnt.«

Wieder huscht eine Erinnerung in den Schatten; er hätte nicht hinschauen dürfen; Lots Weib wäre zur Salzsäule erstarrt.

 

November 2019
Aus dem Roman «Splitter»


Er weiss nicht, in welchem Stadtteil er ist; er hätte aufpassen sollen beim Hinlaufen, aber da ist er ja so verwirrt gewesen vor Freude und Einsamkeit.

Eine Uhr mit römischen Zimmern. Zimmern? Ziffern. Es ist kalt. Er ist müde. Erst 18:25.

Wie läuft man los, wenn man den Weg nicht kennt? Eilig, strebsam, im Stechschritt? Oder zögerlich, sodass jedermann sieht »Da kommt einer, der nicht weiss, wo er hinwill«?

Wenn er das Handy mitgenommen hätte, könnte er Hanne anrufen. Er könnte eine Telefonkabine suchen, aber er kennt keine Nummer auswendig. Und was hätte er sagen sollen? »Ich finde nicht nach Hause?«

Ob er einfach wieder in die Bar soll? Für eine weitere Stunde? Aber was denkt dann der Barkeeper? Die Schöne ist gegangen, der Alte hängt noch hier rum?

Er entscheidet sich für ein Café auf der gegenüberliegenden Strassenseite, trinkt einen Milchkaffee (und isst ein Stückchen Kuchen dazu) und starrt nach draussen. Ein junges Pärchen läuft vorbei; er hübsch und schlank, sie weder das eine noch das andere. Ernst ist unangenehm berührt vom optischen Graben zwischen den beiden und dann von seinen eigenen Gedanken; vielleicht ist sie belesen, klug und witzig; was masst er sich überhaupt an, das Aussehen zu beurteilen? Und was ist aus seinem Schönheitsbegriff geworden? Aus seinen ach so noblen Werten? Manche seiner Werte haben seit Jahren Hochkonjunktur, während bei anderen grosse Fluktuationen zu verzeichnen sind; ein Kommen und Gehen in Denken und Handeln.

So einer will Ernst nicht sein; er will langfristige, wertvolle Wert leben, solche, die meilenweit als Leuchttürme sichtbar sind, und er – ein Leuchtturmwärter ohne jeglichen Dünkel – oben in der verglasten Kabine. Und da ist er auch schon, der Dünkel; Ernst grinst.

Er winkt den Kellner zum Bezahlen; der Mann sagt, es koste dann zehn Franken fünfzig. Dann? Wann?

Ernst kramt eine Note aus dem Portemonnaie und bittet den Mann, auf zwölf aufzurunden. Der Kuchen – wenngleich lächerlich klein – ist gut gewesen und der Kaffee – wenngleich aus einer handelsüblichen Kaffeemaschine – hat gewärmt.

Der Keller blickt irritiert. So hoch ist das Trinkgeld nun auch wieder nicht, findet Ernst und beharrt auf den zwölf Franken.

»Aber«, merkt der Kellner an (er ist gross und krumm), »Sie haben mir nur zehn Franken gegeben.«

Ernst verneint; er sieht die Zwanzigernote in des Kellners Hand (ein wunderbarer Genitiv) und erinnert sich, dass er mit acht Jahren für ein Fünffrankenstück eine Nacktschnecke abgeleckt hat.

»Sehen Sie!«, sagt der Kellner und zeigt ihm die Note.

Tatsächlich steht da eine Zehn darauf – natürlich; die roten Noten sind ja die Zwanziger! Ernst lacht und gibt dem Mann einen zweiten Zehner; in dieses Café wird er nie wieder gehen; der Kuchen war zu trocken, der Kaffee zu wässrig und die Bedienung doch eher unfreundlich.

Er tritt in die kalte spätherbstliche Nacht und geht nach Hause. Am Gartentor fällt ihm auf, dass er den Heimweg ja doch kennt, und er lacht.

September 2019
Aus dem Roman «Splitter»

Klappentext:
Demenz. Ernst Walthers Leben nähert sich dem Magneten der Endlichkeit, und immer mehr der mentalen Dateien werden von der Festplatte gelöscht. Walther – im Glauben, er sei kerngesund – wagt ein Selbstexperiment und versucht, eine Demenzerkrankung vorzutäuschen. Die Grenze zwischen der Realität und Walthers Selbstversuch beginnt zu verwischen.

Leseprobe:
Als Ernst Walther die Augen öffnet, erkennt er zweierlei: Die Öffnungszeiten seines Lebens waren von 26 bis 32 und von 48 bis 60. Und: Die Scheisse, die einem im Laufe des Lebens widerfährt, birgt das Potenzial, den Charakter zu adeln.



Hörproben:

Cover Roman «Splitter»
Prolog des Romans "Splitter" - gelesen von Mirjam Richner
00:00
3. Kapitel des Romans "Splitter" - gelesen von Mirjam Richner
00:00
2018 - 2021: Roman «Robin»
Prolog

Der Wind zerrt an Haaren und Kleidern.

Würden Sie mir eine Landkarte vorlegen, so könnte ich Ihnen darauf nicht zeigen, wo ich mich befinde, zumindest nicht ohne längeres Suchen. Wissen Sie, ich erkenne so etwas nicht auf Karten.

Wie gerne würde ich Ihnen erzählen, ich hätte mein Handy in den Atlantik geworfen; ich möchte in Ihren Augen tollkühn erscheinen. Oder wahnsinnig; das wäre mir auch recht.

Ich heisse Robin. Wäre ich als Junge zur Welt gekommen, würde ich Pascal heissen. Verrückt, nicht wahr? Als Jugendliche habe ich mich immer mit den Worten »Ich heisse Robin – und man schreibt’s, wie man’s sagt: mit Doppel-N und H« vorgestellt. Oder mit »Robin, wie das Gemüse«.

Nein, das stimmt nicht, bitte entschuldigen Sie. Das ist mir spontan eingefallen; ich weiss nicht, warum ich Ihnen das erzählt habe. Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, ein humorvolles Kind gewesen zu sein – obwohl: Ein humorvolles Kind war ich; es mangelte an genuiner Fröhlichkeit. Wahrscheinlich hat da schon alles begonnen. Oder noch früher, vielleicht schon im Mutterleib oder noch vor meiner Zeugung, möglicherweise gar Generationen zurück in eine Zeit, in der Krokodile noch Fische gewesen waren.

Cover Roman «Robin»
 
PUBLIKATIONEN
Doro & Miri - Bild & Lyrik
Ein Projekt von Dorothea Rock und Mirjam Richner in Zusammenarbeit mit Coq d'Art, April 2020

eingesperrte Orchideen
Teil 1 von 4, 05.04. - 11.04.20

Blut und Blüten
Teil 2 von 4, 12.04. - 18.04.20

Zwerge im Zwirn
Teil 3 von 4, 19.04. - 25.04.20

Wildwuchs
Teil 4 von 4, 26.04. - 30.04.20

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Am Denken habe ich mich geschnitten
Lulu Press, 2021

Mit ihrer surrealen, spielerisch reflektierenden Lyrik weckt Mirjam Richner innere Bilder. »Am Denken habe ich mich geschnitten« ist eine Sammlung von rund fünfzig Gedichten und Gedankenschnipseln über das Sein, Werden und Vergehen.

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Das Kind
Lulu Press, 2019

»Inspiriert von Peter Bichsel habe ich begonnen, Dinge umzubenennen; ich habe dem Kind eine Vielzahl alltäglicher Wörter mit entfremdeter Bedeutung beigebracht. Doch ich befürchte, dass das Kind intelligent ist, eines Tages in die Welt hinausgeht und innert Stunden die Sprache lernt, die ich ihm nie vermitteln wollte. Die jahrelange Mühsal wäre umsonst gewesen, ein Hohn wäre das, ein Grund mehr, das Kind zu zerbrechen, ihm eine unüberwindbare Angst vor dem Lernen einzuimpfen und sein Gehirn zu blockieren, nachdem es sich am Fehlwissen satt gefressen hat.«
 

Mirjam Richner erzählt verstörende Geschichten mit gnadenlosem Humor.

Das unterhaltsame und geistig anregende Werk dreht sich um soziale Experimente, Chancen, Verluste und weittragende Entscheidungen.

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Bettlägerige Geheimnisse
Eggingen, Collection Montagnola, 2016

In den vier Geschichten dieses Bandes geht es um Schlüsselerlebnisse, die dazu führen, dass die Hauptfiguren ihr Leben neu gestalten und endlich zu ihrem wahren Ich finden. Es geht um die Befreiung von gesellschaftlichen Normierungen und um Fragen, die uns alle beschäftigen: das Leben kurz vor dem Tod, das Menschsein in all seinen Schattierungen, die eigene Identität, innere Spannungen bis hin zum großen Vakuum, die Suche nach dem, was hinter bestimmten Grenzen liegt. Kurz gesagt: Mirjam Richner hat bewegende Geschichten an der Baumgrenze des Seins geschrieben.

Weitere Publikationen:

«Gott im Wirtshaus» (Kulturmagazin JULI, 2016)

«Bettlägerige Geheimnisse» (als Hörfassung von WDR, 2012)

«die Tür» (Geschichtenband Danke, gut, 2012)

Ausschnitte aus «Splitter» (Aargauer Zeitung, Ausgabe vom 20.11.2010)

«Matt.Scheibe» (Aarauer Neujahrsblatt, 2009)

«Gelb» (Tango, 2009)

MEDIEN

Doch nicht nur in ihrem Roman «Splitter» schreibt die Autorin den Figuren körperliche Sensibilität ein. Eine Gemeinsamkeit mit ihr selbst, nimmt sie doch kleinste Details wahr, beobachtet scharf und gibt die gewonnenen Eindrücke präzis weiter.

Anna Kardos, Aargauer Zeitung, 23.06.2012

Mirjam Richner liebt die Welt des Surrealen, des Phantastischen, des Geheimnisvollen und verknüpft und konfrontiert die Schicksale ihrer Figuren mit der harten Realität. So erleben wir die Protagonisten ihrer Texte sowohl als Alltags- wie auch als Kunstfiguren.

Und das ist eine Aufgabe der Literatur: die Transformation von drängenden Themen des Alltags in sprachlich geglückte Kunstwelten, einmal erzählend, einmal spielerisch reflektierend, im inneren Monolog oder Dialog.

Begleittext zum Ausschnitt aus «Splitter», Aargauer Zeitung, 20.11.2010

Der an der Alten Kantonsschule Aarau als Maturaarbeit entstandene Fantasy-Roman «Das Ich In Sich», war ihr erster längerer Text. Eine krebskranke Frau sucht in einer fantastischen Welt aus Nymphen, Trollen und Zwergen einen Umgang mit ihrer Krebsdiagnose zu finden. Wieder geht es um Schicksalsschläge und um ihre Verarbeitung. Auch in ihrer Kurzgeschichte «Matt.Scheibe» (2009), wo eine Frau ihre Beine verliert und über einen imaginären Freund wieder in den Alltag zurückzukehren sucht, ist die Fantasie Flucht, Fluch und Segen zugleich.

Julia Stephan zum Werkbeitrag Aargauer Kuratorium, Aargauer Zeitung, 04.10.2010

Immer stärker umspinnt dabei die Fantasie der Ich-Erzählerin die Realität mit originellen, eigenständigen Bildern und Gedankenschnipseln einer übersteigerten Fantasie. Und die Grenzen zwischen Innen und Aussen lösen sich zusehend auf, wenn Richner schreibt «Wirre Klänge verbeissen sich in die Ohrmuschel».

Trotz einiger Bruchstellen im mäandernden Text entwickelte ihre Lesung einen Sog. So mochte man die anschliessend recht harsche Kritik der Jury, der Text sei «zu surreal» oder «im Wahn nicht konsequent genug» nicht immer nachvollziehen.

Anna Kardos über «Bettlägerige Geheimnisse», Aargauer Zeitung, 06.07.2012

 
 
BIOGRAFIE
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Mirjam Richner, 1988 in Aarau geboren, wuchs in Unterentfelden auf. Seit dem 14. Lebensjahr verfasst sie Kurzgeschichten, Gedichte, Novellen und Romane.

Nach mehrjähriger Unterrichtstätigkeit auf der Oberstufe in den Fächern Deutsch, Mathematik, Biologie und Chemie sowie als Klassenlehrerin und Heilpädagogin arbeitet sie nun im Personalwesen.
Sie schloss 2021 die schweizweit anerkannte Ausbildung zur MBSR-Lehrerin (Mindfulness Based Stress Reduction) ab. Zurzeit absolviert sie das Yoga-Teacher-Training und strebt die Zertifizierung von Yoga Alliance (YTT-200) im 2022 an.

Mirjam Richner erhielt mit zwölf für einen von ihrer Deutschlehrerin eingeschickten Aufsatz die erste literarische Auszeichnung. 2009 veröffentlichte sie erstmals Kurzgeschichten. Sie erhielt 2010 und 2020 einen Förderbeitrag vom Aargauer Kuratorium und nahm 2012 an den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt teil.

 

Im Januar 2016 erschien ihr erstes Buch «Bettlägerige Geheimnisse» als Teil der Collection Montagnola von Klaus Isele, 2019 und 2021 folgten bei Lulu Press «Das Kind» und «Am Denken habe ich mich geschnitten».

AUSZEICHNUNGEN

«Splitter» (Roman, Neufassung):

2020 vom Aargauer Kuratorium

2012 nahm Richner als jüngste Leserin an den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt teil.

Die Lesung und anschliessende Kritik zum Text «Bettlägerige Geheimnisse» wurde live über 3sat ausgestrahlt.

«Splitter» (Novelle):

2010 vom Aargauer Kuratorium

«Nur Menschen und Menschen» (Kriminalroman):

2009 von der Rentsch-Stiftung in Olten

«Kurzgeschichten über Lausanne» (Geschichtenband):

2008 von der PH FHNW

«Das Ich in Sich» (Fantasyroman):

2007 von AULA

 
VERANSTALTUNGEN
Aktuelle Termine
Bücherregal

Frühjahr 2022
Olten

Datum folgt!
L
esung aus dem Manuskript «Splitter» in Olten, Vernissage mit Skizzen von Dorothea Rock zum Roman.

traditionelle Bibliothek

02.11.2019

Erlinsbach

Lesung aus dem Manuskript «Splitter» im Restaurant Wygärtli in Erlinsbach, Repair Café. Lesebeginn: 13.00 Uhr

Frühere Termine

12.09.2019, Aarau

Buchvernissage «Das Kind» im Medienzentrum der Alten Kanti


04.05.2019, Oberentfelden

Tag der offenen Bürsti


27.05.2016, Lenzburg

im Rahmen der Sofalesungen

05.07.2012, Klagenfurt (A)

Tage der deutschsprachigen Literatur

21.10.2009, Aarau

Gasthaus Roggenhausen

20.03.2009, Olten

Kunstmuseum

24.02.2009, Lenzburg

Aargauer Literaturhaus

 
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